Sehr geehrtes Finanzamt

Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen …

… nein, falsch, das geht nicht, das war der falsche Textbaustein, den benutzen die immer. Wir müssen uns was anderes einfallen lassen. Leider ignoriere nur ich die zivilisierte Welt, die geht mir dagegen mal wieder tierisch auf die Nerven.

Die haben mir eine Mahnung geschickt. KFZ-Steuer. Ich hab mich ja damit abgefunden, dass ich die zahlen muss, obwohl ich mich bei dem Zustand der Straßen in meiner näheren und weiteren Umbegung schon frage, wofür die die Gelder ausgeben – für Straßen offensichtlich nicht. Aber das ist ja sowieso nur eine rein rhetorische Frage – wofür die Steuern ausgegeben werden, erfährt man ja, sowie man den Fernseher einschaltet. Was ich deshalb tunlichst vermeide. Lassen wir sie doch in dem Glauben, dass das eh keiner merkt.

Man macht sich eben lächerlich, so gut man kann. Und die deutsche Journaille gleich noch mit dazu. Und das auch noch in der ersten Reihe, dafür werden unsere Rundfunk- und Fernsehgebühren verplempert – mit denen wir uns ja auch abfinden müssen, obwohl man sich schon fragt, wofür die … Lassen wir das. Das ist doch eine wirklich reife Leistung von allen Beteiligten, echt jetzt mal. Also, so derb hab ich mich meines Wissens noch nie öffentlich zum Löffel gemacht. Vermutlich muss man dafür ja Bundeskanzlerin sein.

Aber zurück zu der Mahnung. Man will von mir 3.50 Teuro Mahngebühr. Dummerweise hab ich gar keine Zahlungsaufforderung gekriegt. Und dummerweise ist das mal ganz ausnahmsweise keine faule Ausrede, die kriegt nämlich meine ehemalige Insolvenzverwalterin. Das ist so, wenn man insolvent ist. Zuerst kriegt der Verwalter das, und der schickt das dann an den Schuldner. Was man damit bezweckt, ist ein wenig unklar, denn verbummeln, ignorieren oder einfach absichtlich nicht zahlen kann man das ja auch so. Und der Verwalter hat vollkommen unnütze Arbeit – und diese armen, armen Menschen sind ja soooo überlastet. Wirklich.

Deshalb hat mir meine Insolvenztante als letzte Amtshandlung verboten, sie weiter zu belästigen. Rufen Sie mich ja nicht an. Sehen Sie gefälligst zu, wer Ihnen Fragen beantwortet (niemand, du kannst dir als Schuldner ja einen Anwalt nehmen, das ist ja ein Klacks für unsereins), dafür bin ich nicht zuständig und ich gedenke auch nicht, das zu tun. Leider finde ich den Wisch mal wieder nicht… Aber das stand da wirklich so drin. Und das hab ich auch erlebt, mehrfach, ich habe keinerlei Zweifel, dass die das ernst meint. Ihr stereotyper Leitspruch war, ist und wird es wohl auch immer bleiben: „Ich mache hier keine Rechtsberatung.“ Das ist die Antwort auf so ziemlich jede Frage, die mir jemals zu meiner Insolvenz eingefallen ist.

Und nun hat sie, da sie für mich ja nicht mehr zuständig ist, die Zahlungsaufforderung des Finanzamtes über meine KFZ-Steuer vermutlich verbummelt. Oder in Ablage P gebunkert. Oder was auch immer sie mit solchen lästigen Schreiben macht. Vermutlich dasselbe wie jeder halbwegs intelligente Mensch, der ein kleines Problem mit der ewig heiligen Ordnung der lästigen und überflüssigen Dinge hat. Egal, wohin, Hauptsache weg. Geh mir aus den Augen…

Was ich aber nun eine ziemliche Sauererei finde ist, dass ich jetzt dafür bezahlen soll, dass diese stattlich (auch der ist ja wieder zu treffend, um korrigiert zu werden, aber natürlich ist sie auch noch staatlich bestellt, aber das natürlich nur nebenbei…) bestellte Insolvenzverwalterin, die mein nicht existentes Vermögen treuhänderisch verwaltet hat, selbiges jetzt rückwirkend veruntreut. Oder wie darf ich den Sachverhalt sonst verstehen?

Zumal das nicht das erste Mal ist. Das hat sie fast jedes Jahr so gemacht – sie hat sich so lange ausgeschlafen, dass ich Säumnisgebühren zahlen durfte. Gleich im erten Jahr war das am allerbesten, da hab ich das, nachdem ich den Wisch von ihr geschickt bekommen hab, sofort bezahlt – es war ja schon überfällig. Und ein Jahr später, als dann das Finanzamt endlich auch ausgeschlafen hatte, durfte ich dann Säumniszuschlag für das ganze Jahr bezahlen. Hab das ja zu spät beglichen. Und versuch mal, das Finanzamt zu einer Rückzahlung zu bewegen… Das haben schon ganz andere versucht und sind damit gescheitert. Als nichtsnutziger Schuldner brauchst du an so etwas nicht einmal  zu denken.

Dasselbe gilt natürlich für sogenannte Insolvenzverwalter.

Es sind nur 3,50 €. Aber es geht ums Prinzip. Und lustig finde ich das nicht. Und die  angeblich 7 Millionen anderen Schuldner, die es in der Bundesrepublik gibt, sicher auch nicht – aber vermutlich ist das wieder maßlos untertrieben. Insolvenz bedeutet nicht nur, dass man mit Geld am Existenzminimum auskommen muss (was unter Umständen durchaus mehr sein kann, als andere Leute heutzutage verdienen, nicht, dass wir uns jetzt falsch verstehen, es gibt eine Menge Leute, die haben noch weniger). Nein, man muss auch noch hübsch die Schnauze halten, wenn die sowas mit dir machen. Rufen Sie mich ja nicht an…

Ich rufe aber Montag mal das Finanzamt an. Vielleicht gehe ich die auch mal besuchen. Mir ist gerade ein wenig kämpferisch zumute, ich hab die Restschuldbefreiung ja schriftlich, das befreit tatsächlich ungemein.

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